Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde der US Treuhand,
„American magic has always prevailed, and it will do so again.“
Ich lasse bewusst eine Zeile Platz, um diese Worte kurz wirken zu lassen. Wer hat es gesagt? Das Zitat stammt von Warren Buffett, einem der erfolgreichsten Investoren unserer Zeit. Eine knappe Beobachtung, die viel über die wirtschaftliche Geschichte der Vereinigten Staaten erzählt.
Die USA haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder neu ausgerichtet. Politische Kurswechsel, wirtschaftliche Umbrüche, neue Technologien – all das hat den Markt verändert. Und doch zeigt sich über die Zeit ein Muster: Die Fähigkeit dieses Landes, Kapital anzuziehen und daraus immer wieder neues Wachstum entstehen zu lassen.
Ein zweites Zitat ergänzt diesen Gedanken. Theodore Roosevelt formulierte einst:
„Jeder, der in gut ausgewählte Immobilien in einem wachsenden Teil einer prosperierenden Gemeinschaft investiert, wählt die sicherste Methode, um unabhängig zu werden, denn Immobilien sind die Basis von Vermögen.“
Beide Aussagen verweisen auf denselben Kern. Die Stärke eines Marktes zeigt sich weniger in Schlagzeilen als in seiner Struktur. Genau dort setzt diese Ausgabe unseres Monthlys an.
Zunächst werfen wir einen Blick auf den amerikanischen Kapitalmarkt, der sich aktuell neu justiert. Veränderungen an der Spitze der Federal Reserve, eine dynamische Realwirtschaft und ein außergewöhnlich liquides Finanzsystem prägen das Umfeld, in dem Investitionsentscheidungen getroffen werden. Wer global investiert, kommt an den Vereinigten Staaten weiterhin kaum vorbei.
Danach richten wir den Fokus auf eine Region, in der sich diese Dynamik besonders deutlich beobachten lässt: die Metropolregion Dallas-Fort Worth. Internationale Unternehmen verlagern Headquarter, bauen Produktionskapazitäten aus und investieren langfristig in den Standort. Aus einzelnen Standortentscheidungen entsteht ein klares Bild: DFW entwickelt sich zu einem der zentralen wirtschaftlichen Knotenpunkte Nordamerikas.
Und schließlich schauen wir auf Dallas selbst. Die Stadt gewinnt zunehmend Funktionen, die sonst klassischen Finanzzentren vorbehalten waren. Neue Standorte internationaler Banken, wachsende Managementstrukturen und steigende Kapitalströme zeigen, dass hier ein urbaner Finanzstandort heranwächst, der immer stärker in einer Liga mit etablierten Banking-Metropolen spielt.
All diese Entwicklungen führen zu einer einfachen Beobachtung: Dynamik entsteht dort, wo wirtschaftliche Struktur, Kapital und unternehmerische Entscheidungen zusammenkommen.
Genau solche Standorte stehen seit mehr als drei Jahrzehnten im Mittelpunkt unserer Investitionsstrategie.
In diesem Sinne starten wir gemeinsam in die nun noch kurze Zeit des Wartens, bis wir Ihnen unser neues Investment UST XXVII vorstellen werden. Wie immer investieren wir dabei gemeinsam mit Ihren Kunden.
In diesem Sinne:
„Stay curious, stay tuned“ – und bye for now. Let us convince you.
Ihr Thilo Borggreve
Amerika im neuen Takt: Der größte Kapitalmarkt der Welt justiert neu
Die Vereinigten Staaten Amerika starten ein neues Kapitel an einer Stelle, an der sich Weltkonjunktur, Märkte und Erwartungen schneiden: bei der Federal Reserve. Ein Führungswechsel dort ist kein reines Personalthema. Er verändert Tonfall, Prioritäten, manchmal auch das Tempo. Und er rückt eine alte Wahrheit wieder nach vorn: Wer global investiert, kommt an den USA nicht vorbei, weil dieser Markt weniger über einzelne Ausschläge funktioniert als über seine Struktur.
Schlagzeilen entstehen schnell. Relevanz entsteht tiefer. In den Vereinigten Staaten trifft Kapital auf eine einzigartige Marktarchitektur, auf Liquidität in einer Größenordnung, die Preisbildung verlässlich macht, und auf eine Realwirtschaft, die aus mehreren Wachstumssäulen gespeist wird. Genau diese Kombination erklärt, warum der US-Markt in Phasen der Neujustierung nicht an Bedeutung verliert, sondern Profil gewinnt. In dieses Umfeld fällt nun die Nominierung von Kevin Warsh.
Ein Auftakt an der Fed, der Orientierung schafft
Mit Kevin Warsh rückt ein ausgewiesener Kapitalmarktkenner an die Spitze der Federal Reserve. Er bringt Erfahrung aus dem Inneren der Notenbank mit und kennt zugleich die Logik der Märkte, die auf Zinsen, Kommunikation und Erwartungen reagieren. In der aktuellen Debatte wird seine Nominierung vielfach als Signal für Pragmatismus gelesen. Damit verschiebt sich die Perspektive: weg von der Frage nach einzelnen Schritten, hin zu einem Umfeld, das Investitionsentscheidungen erleichtert, sobald Datenlage und Konjunktur Spielraum geben.
Kevin Warsh in Kürze
Liquidität als Standortqualität
Was die USA im Kern auszeichnet, ist weniger ein einzelner Zyklus als die Infrastruktur des Kapitals. Finanzierung ist hier ein Ökosystem: öffentliche Märkte, Debt-Märkte, Private Equity, Venture Capital, institutionelle Investoren. Diese Dichte macht den Unterschied. Sie beschleunigt Wachstum, weil Kapital verfügbar ist, wenn Unternehmen skalieren wollen. Sie hält Transaktionen auch dann tragfähig, wenn das Umfeld volatiler wird. Für Investoren zeigt sich das in einer Marktqualität, die selten geworden ist: hohe Liquidität, verlässliche Preisbildung, standardisierte Prozesse und klare Exit-Pfade. Investierbarkeit ist kein Versprechen, sondern eine Funktionsweise. In dieser Disziplin bleiben die USA Benchmark.
Breite Realwirtschaft, starker Binnenmarkt
Parallel dazu ruht die amerikanische Wirtschaft auf mehreren Wachstumssäulen. Technologie, Industrie, Energie, Healthcare, Defense, Konsum und Finanzdienstleistungen liefern jeweils eigene Impulse. Der große, kaufkräftige Binnenmarkt übersetzt diese Impulse schnell in reale Nachfrage. Aus dieser Kombination entsteht ein Vorteil, der oft unterschätzt wird: Wachstum lässt sich in den USA nicht nur erzeugen, sondern verlässlich fortschreiben.
Genau an dieser Stelle wird es besonders konkret. Denn die strukturellen Stärken der USA zeigen sich dort am klarsten, wo Unternehmen ihre nächsten Kapitel schreiben: in Regionen, die wirtschaftliche Breite, Bevölkerungsdynamik, unternehmerisches Umfeld und Infrastruktur in einem Paket bündeln. Texas zählt zu diesen Räumen. Und innerhalb von Texas rückt die Metropolregion Dallas–Fort Worth aktuell besonders in den Fokus. In der nächsten Rubrik schauen wir genau dorthin – und darauf, warum sich internationale Unternehmen dort zunehmend positionieren.
Kapital, Kontrolle, Konnektivität: Dallas-Fort Worth als Entscheidungsraum
Düsseldorf. München. Hannover. Und dann Dallas–Fort Worth.
Cognigy, einer der international sichtbarsten deutschen KI-Anbieter, verlegt sein US-Headquarter von San Francisco nach Plano. Ein Technologieunternehmen verlässt die Westküste und entscheidet sich bewusst für Texas.
Siemens investiert rund 190 Millionen US-Dollar in ein neues Werk in Fort Worth. Produziert wird elektrische Infrastruktur für Rechenzentren und industrielle Anwendungen. Dort, wo Cloud, KI und Industrie 4.0 reale Kapazitäten benötigen.
MTU Maintenance, die US-Tochter von MTU Aero Engines, sichert sich mit einem 30-jährigen Lease ihre langfristige Präsenz in Fort Worth. Luftfahrtunternehmen planen nicht in Konjunkturzyklen. Sie planen in Dekaden.
Drei deutsche Namen. Drei Branchen. Eine gemeinsame Entscheidung.
Headquarters sind kein Zufall
Zwischen 2018 und 2024 haben sich mehr als 100 Unternehmenszentralen neu in der Metropolregion Dallas-Fort Worth (DFW) angesiedelt oder dorthin verlagert. In sechs Jahren ist aus Einzelentscheidungen ein belastbares Muster geworden. Heute beheimatet die Region 48 Fortune-1000- und 22 Fortune-500-Unternehmen. Diese Dichte entsteht durch strukturelle Standortvorteile. Wer Headquarters gewinnt, gewinnt hochqualifizierte Arbeitsplätze, Managementfunktionen, Beratungsmandate sowie Kapitalströme und damit stabile Nachfragekerne.
Mit 8,34 Millionen Einwohnern ist DFW die viertgrößte Metropolregion der USA. Seit 2015 kamen rund 1,3 Millionen Menschen hinzu. Allein von 2023 bis 2024 wuchs die Region um etwa 178.000 Einwohner – eine der höchsten Wachstumsraten unter den großen US-Metropolen. Das Medianalter liegt bei 35,8 Jahren, also deutlich unter dem US-Durchschnitt. Rund 41 Prozent der Bevölkerung verfügen über einen Bachelor-Abschluss oder höher. Wachstum trifft hier auf Qualifikation. Mit einem regionalen BIP von 744 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 übertrumpft DFW Volkswirtschaften wie Schweden oder Belgien. Das heißt, wie sprechen von einer Standortökonomie in globaler Größenordnung.
Vom Knotenpunkt zur Kommandozentrale
Was DFW besonders macht, ist die Verbindung von operativer Infrastruktur und Steuerungsfunktion. Der Flughafen Dallas-Fort Worth zählte 2024 mit rund 87,8 Millionen Passagieren zu den drei verkehrsreichsten Airports weltweit. Über 60 Prozent des texanischen Luftfrachtaufkommens werden hier abgewickelt: rund 800.000 Tonnen jährlich. Von Dallas aus lassen sich etwa 93 Prozent der US-Bevölkerung innerhalb von 48 Stunden per Lkw erreichen.
Die Zahlen messen Reichweite. Und Reichweite verlagert Steuerung an den Ort. Wo Warenströme gebündelt werden, entstehen Funktionen für Supply-Chain-Management, Einkauf, IT, Controlling, Recht und Personal. Aus operativer Effizienz wird strukturelle Nachfrage. Hinzu kommt die geografische Lage zwischen Mexiko und dem US-Inlandsmarkt. Texas ist das zentrale Gateway im US-Mexiko-Handel. Und Dallas liegt strategisch zwischen Grenze und Binnenmarkt. In Zeiten von Nearshoring verschiebt sich Produktion nach Nordamerika. DFW wird dabei zunehmend zum Steuerungsstandort.
Finanzinfrastruktur verankert den Trend
Parallel entwickelt sich die Region weiter in Richtung Kapitalmarktstandort. In Texas arbeiten inzwischen mehr Menschen im Finanzsektor als im Bundesstaat New York. 2025 nahm die New York Stock Exchange Texas ihren Betrieb auf. 2026 soll die Texas Stock Exchange folgen. Große Banken investieren hunderte Millionen Dollar in neue Campusstandorte.
Finanzinfrastruktur entsteht nicht zufällig. Sie folgt wirtschaftlicher Verdichtung und verstärkt sie zugleich.
DFW Worth gewinnt nicht, weil es günstiger ist. Es gewinnt, weil Struktur, Demografie, Infrastruktur und Kapitalmarktentwicklung gleichzeitig wirken. Im nächsten Schritt lohnt sich der Blick auf Dallas selbst – auf den urbanen Kern, in dem sich diese Entwicklung konkret in Quartieren, Flächen und Nachfrageprofilen zeigt.
Dallas: der urbane Finanzanker im neuen US-Kräftefeld
Dallas wird gerade nicht „beliebter“. Dallas wird relevanter. Der Unterschied liegt in der Art von Entscheidungen, die in einer Stadt landen: nicht operative Funktionen, sondern Steuerung. Finanzteams, Managementeinheiten, Mandate, die Kapital lenken. Wer die Metropolregion verstanden hat, sieht hier die Verdichtung – im urbanen Kern. Der beste Beweis ist ein Projekt, das den Anspruch einer Stadt sichtbar macht: Scotiabank baut in Dallas einen zentralen U.S.-Hub auf: über 1.000 neue Arbeitsplätze, rund 60 Millionen US-Dollar Investition. Das ist die Kategorie Entscheidung, bei der sonst reflexhaft Charlotte auf der Shortlist steht. Und genau so sollte man den Moment lesen: als Erweiterung des Spielfelds.
Wenn Banken Campus bauen, denkt ein Markt in Jahrzehnten
Noch deutlicher wird diese Verdichtung dort, wo Finanzhäuser neben Teams auch Struktur ansiedeln. Goldman Sachs baut seine Dallas-Präsenz am NorthEnd so aus, dass dort langfristig mehr als 5.000 Mitarbeitende arbeiten können – als zweite große US-Basis des Hauses. Das ist kein „Wir probieren mal Texas“. Das ist ein Commitment auf Zeitachse.
Und genau das ist die eigentliche Dallas-Story: Die Stadt zieht Funktionen an, die nicht vom nächsten Zyklus leben, sondern vom nächsten Kapitel. Mit diesen Funktionen verändern sich Nachfrageprofile automatisch. Wo Steuerung sitzt, entstehen Netzwerke aus Beratung, Recht, Accounting, Tech, Recruiting. Es ist die stille Infrastruktur hinter dem sichtbaren Wachstum.
Charlotte bleibt gesetzt. Und genau deshalb ist der Vergleich wertvoll
Gerade im Vergleich mit Charlotte wird die Entwicklung lesbar. Charlotte steht seit Jahren für ein Finanzökosystem mit gewachsener Tiefe. Dort sitzen Strukturen, die über Jahrzehnte gebaut wurden. Diese Qualität zeigt sich auch in den Mikrolagen, in denen solche Funktionen verlässlich andocken: Ballantyne ist dafür ein gutes Beispiel, als etablierter Business-District mit klarer Standortlogik, stabilen Nutzern und einem Umfeld, das auf Langfristigkeit ausgelegt ist.
Und genau vor diesem Hintergrund zeigt Dallas’ Aufstieg: Das Kräftefeld bekommt eine zweite Achse. Wenn Projekte wie der Scotiabank-Hub heute in Dallas landen, dann deshalb, weil die Stadt inzwischen die Voraussetzungen erfüllt, die bislang vor allem klassischen Banking-Städten vorbehalten waren: kritische Masse an Finanz- und Steuerungsfunktionen, Talent, Dienstleister, Campuslogik, Netzwerke. Charlotte bleibt Maßstab, Dallas rückt in dieselbe Vergleichsebene. Aus einem klaren Nebenpol wird eine Landkarte mit mehreren urbanen Finanzankern. Dallas ist einer davon.